Länger und unterhaltsamer: über den Online-Audio-Monitor 2023

Der Corona-Bonus beim Podcasting ist vorbei. Es gibt Umverteilungen bei der Nutzung in den Altersgruppen. Jüngere Nutzer:innen öffnen sich einem breiteren Themenspektrum. Die vielfach gehörten Produktionen werden weniger, dafür aber länger. Ein persönliches Fazit des diesjährigen Reports mit dem Fokus auf Podcasting von Ralph Würschinger.  

Jedes Jahr im September erscheinen mit dem Online-Audio-Monitor Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zur Nutzung von Online Audio Angeboten. Auftraggeber sind Landesmedienanstalten aus vier Bundesländern sowie verschiedene Branchenverbände. Befragt wurden mehr als 12.000 Menschen ab 14 Jahren.  

Um Entwicklungen in den Nutzungsgewohnheiten festzustellen, tauchen wiederkehrende Fragen bei dem jährlichen Procedere auf, wie z.B. wie häufig nutzen Sie Podcasts und Radiosendungen zum Nachhören? Den kompletten Bericht gibt es hier 

 

Mindestens monatlich 

Wie im vergangenen Jahr stagniert die Zahl der Hörer:innen, die Podcasts mindestens monatlich nutzen, bei rund einem Viertel (24,9 Prozent). Mit Blick auf die vorherigen Jahre zeigt sich, dass der große Podcastboom vorbei ist. Nach wie vor ist die Nutzung bei den 14-29-jährigen am höchsten, gefolgt von den 30-49-jährigen und schließlich der 50+ Altersgruppe. 

Zwischen den Altersgruppen findet aber eine Umverteilung statt. Die Häufigkeit des Podcastkonsums der jüngsten Altersgruppe geht zurück, während sie bei den 30-49-jährigen leicht ansteigt. Ein größerer Teil hört täglich und mehrmals in der Woche Podcasts als noch vor einem Jahr. 

Gleichzeitig ist die gesamte Dauer der wöchentlichen Podcastnutzung gestiegen. Das heißt, sowohl bei den 14-29-jährigen als auch bei den über 50-jährigen sind es mehr Leute, die mindestens 3 Stunden Podcasts hören. Bei den 30-49-jährigen gab es hier einen leichten Rückgang. 

Wenn also weniger häufig Podcasts gehört werden, die wöchentliche Hördauer aber steigt, muss das eigentlich an den Podcasts selbst liegen. Ergo werden tendenziell längere Formate gehört (und vielleicht auch produziert). 

Das korreliert mit dem Ergebnis, dass ein überwiegender Teil der Befragten angegeben hat, Podcasts aufgrund der ausführlichen Behandlung eines Themas zu hören (83,5 Prozent). Einen Rückgang gab es bei dem Motiv, kurz und knapp über aktuellste Nachrichten informiert zu werden (2022: 79, 6 Prozent; 2023: 73,4 Prozent). 

 

Breites Themenspektrum 

Konkrete Themen, die in Podcasts besonders viele Menschen erreichen, sind unverändert Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Technik sowie Freizeit, Hobby und Games. In den älteren Altersgruppen gibt es hier keine Veränderungen in den Themen. Einzig bei den 30-49-jährigen zeigt sich ein Anstieg bei den Themen Kinder und Familie. 

Die größte Überraschung gibt es bei den unter 30-jährigen: Sie hören Podcasts und Radiosendungen zum Nachhören stärker in verschiedenen Themenbereichen als noch 2022. 

Religion, aber auch Wirtschaft, Kinder und Familie sind Themen, die diese Altersgruppe inzwischen mehr nutzt.  

 

Branding 

Beim auditiven Branding spielen inzwischen Logo und Beschreibung des Podcasts und der Hinweis auf den Absender bzw. Anbieter mit Hilfe eines Spots die größte Rolle. Seltener sind es Moderator:innen, die im Podcast auf den Absender hinweisen – oder zumindest wahrgenommen werden. Die meistgehörten Absender sind nach wie vor öffentlich-rechtliche Radio- und Fernsehsender, gefolgt von Exclusive Podcasts bzw. Originals von Audioplattformen, privaten Radio und Fernsehsendern, Privatpersonen und unabhängigen Journalist:innen usw.  

 

Angebot und Nachfrage 

Podcasts genießen großes Vertrauen in unserer Gesellschaft. 77,4 Prozent der Befragten halten sie für eine verlässliche und glaubwürdige Informationsquelle. Für ein gutes Drittel spielen sie eine wichtige Rolle als Infomedium zum aktuellen Zeitgeschehen, für die Hälfte der Befragten als ergänzendes Medium.  

Dass sich die Gruppe der 14-29-jährigen heute für ein breiteres Themenspektrum interessiert, deute ich als ein ansprechenderes Angebot, aber auch als Reaktion auf die anhaltende politische und wirtschaftliche Lage (Inflation, Klimawandel), die sich in dem Anstieg der Themenbereiche Wirtschaft und Natur und Umwelt widerspiegelt.  

Hier gibt es sicherlich noch Luft nach oben, was die Aufbereitung zielgruppenrelevanter Podcasts betrifft. In diesem Zusammenhang könnte es auch aufschlussreich sein, das Podcastangebot für Ü50-Menschen zu analysieren, mit besonderem Blick auf das Portfolio der öffentlich-rechtlichen Sender. Aber auch das Radio-Nutzungverhalten dieser Altersgruppe dürfte sinnvoll sein. 

Dass bestimmte Themenbereiche von Altersgruppen weniger gehört werden als andere, muss nicht zwangsläufig an Interesse bzw. mangelndem Interesse liegen, sondern vielleicht am Angebot. Der Unterhaltungswert von Podcasts spielt für mehr Menschen eine große Rolle als noch 2022 (2022: 76,2 Prozent; 2023: 79,3 Prozent).

 

Das waren sie. Meine Erkenntnisse zum Online-Audio-Monitor 2023. 

Was sind eure Gedanken dazu?  

Schreibt mir. Ich freue mich über Austausch. 

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