Das Peitschenmuseum

BITTE NICHT ANFASSEN! #4 – Das Peitschenmuseum 

Show Notes 

Killer – ja richtig gelesen – heißt der Ort, in dem das Peitschenmuseum 
steht. Seit Jahrhunderten kommen aus diesem schwäbischen Dorf Peitschen 
in allerfeinster Qualität. Und damit diese Tradition nicht in 
Vergessenheit gerät, betreibt der Heimatverein das Museum. Eine 
Folge darüber, was Rohrpflanzen aus Manila, das Durchbrechen der 
Schallmauer und schwäbischer Pragmatismus gemeinsam haben und natürlich 
geht es auch um BDSM. 

Fotos:

Das Peitschenmuseum von außen: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Gebaeude-scaled.jpg

Museumsbetreiber Oliver Simmendinger: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Oliver-Simmendinger.jpg

Die zugehörige Werkstatt: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Werkstatt.jpg

Hilfreiche Links: 

Infos zum Museum:  

Deutsches Peitschenmuseum des Heimatvereins Killer e.V. 

Am Peitschenmuseum 1 

72393 Burladingen 

http://www.peitschenmuseum.de/  

über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

 Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für’s Ohr. 

Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

 
 
Kontakt  
Instagram: escucha_audioidentity/  
E-Mail: info[at]escucha.de  

Podcast-Credits:  
  

Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
Produktion: Escucha GbR  
Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

Transkript: 

Lukas: 

Es gibt eine Wochentagspeitsche und eine Sonntagspeitsche. Und das ist natürlich schon irgendwie aus unserer heutigen Sicht ein bisschen skurril,  

dass ich meine Sonntagspeitsche mit in die Kirche nehm. 

Ralph: 

Ja, und wenn du Besuch kriegst, dann gibt es für dich die Gäste-Peitsche. 

Lukas: 

Ich glaube, das führt zu weit. 

Intro mit Musik: 

Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha. 

Ralph: 

Ja, schön, dass wir uns wieder treffen, Lukas, du warst ja diesmal in einem Museum. Worum geht es denn heute? 

Lukas: 

Heute geht es um das Durchbrechen der Schallmauer. Es geht um schwäbischen Pragmatismus. Und es geht darum, wie eine Pflanze aus Manila  

die technische Revolution für all das war. Und jetzt ist meine Frage: Kannst du dir ungefähr vorstellen, um welches Objekt es sich heute handelt? 

Ralph: 

Na ja, also Durchbrechen der Schallmauer… Das könnte irgendwas mit Flugzeugen zu tun haben.  

Und diese Pflanze, ja, keine Ahnung. Die wird dann wahrscheinlich als Material für irgendetwas verwendet und da du gemeint hast, also du hast das Schwaben auch noch genannt.  

Deswegen schätze ich mal, du warst in irgendeinem Museum in Schwaben. 

Lukas: 

Ja, also von deinen drei Dingen, die du gerade gesagt hast, trifft eines zu und du wirst auch gleich sehen, welches.  

Und dazu hören wir uns noch mal kurz in einen Ton rein. 

Oliver Simmendinger (vom Peitschenmuseum): 

Da bin ich total aus der Übung. Da müssen Sie aber Abstand halten, aber das hört man. [Es folgt Peitschenknallen] 

Ralph: 

Aua, aua. Das klingt für mich, ja, das klingt für mich nach einer Peitsche. 

Lukas: 

Richtig, genau. Denn heute geht’s ins Peitschenmuseum nach – Aufgepasst – Killer. Also der Ort heißt wirklich Killer.  

Und ich finde, das passt einfach perfekt zu dem Namen und dieser Ort Killer liegt 20 Kilometer südlich von Tübingen,  

also mit Baden-Württemberg warst du da ganz richtig. Tja, und derjenige, der gerade eine ungarische Ochsen Peitsche für mich geschwungen hat,  

ist Oliver Simmendinger. 

Und den habe ich im Dezember besucht. Und es war ein bisschen skurril, die Situation, weil wie du gehört hast, waren wir draußen außerhalb des Museums,  

weil diese Peitsche so lang war, dass wir die unmöglich im Inneren des Museums hätten schwingen können.  

Und Oliver hat gesagt, dass man diese Technik wirklich lernen muss, diese Peitsche zu schwingen.  

Und dann hat er sich auf so eine nicht befahrene Straße für mich gestellt und diese mächtige Peitsche für mich geschwungen. 

Tja, und wenn dieser Peitschen Ton, dieses typische Peitschengeräusch entsteht, das ist eben dann, wenn die Peitsche die Schallmauer durchbricht  

und deswegen gibt es eben diesen Ton. Und heute dreht sich quasi alles um die Geschichte der Peitsche. 

Ralph: 

Wie lang war denn diese Peitsche? Weil du gesagt hast, die war so lang, ihr musstet da rausgehen. 

Lukas: 

Also genau kann ich das nicht sagen, aber ich würde mal sagen, dass der Schaft und der Riemen zusammengerechnet schon so vier Meter waren.  

Vier, fünf Meter. So in der Richtung dann auch. Aber was es genau für eine Peitsche ist und was es da auch für Unterscheidungen gibt, dazu kommen wir später. 

Ralph: 

Okay, ja, cool. Dann bin ich mal gespannt, was du mir über die Geschichte der Peitsche erzählst, weil die muss ja sehr weit zurückreichen,  

würde ich jetzt mal vermuten. Also wenn du sagst Ochsen Peitsche, dann geht es ja irgendwie in Richtung Landwirtschaft und das machen wir ja schon sehr, sehr lange. 

Lukas: 

Ja und nein. Also es geht ja vor allem um die regionale Geschichte der Peitschenherstellung in Killer. Denn Killer ist ein Dorf, was quasi dafür bekannt war, dass es sich auf die Peitschen Herstellung konzentriert. Hat. Und vielleicht erinnert dich das an eine andere Folge. Da waren wir nämlich schon mal in einem Dorf, was sich auf die Herstellung eines bestimmten Gegenstandes konzentriert hat. 

Weißt du was das war? 

Ralph 

Ja, das war die Mausefalle in einem Dorf in der Eifel, nämlich in Neroth. 

Lukas 

Genau richtig. Und in Killer ist es ein bisschen ähnlich. Also da ist es auch so, dass das halt recht bergig liegt in der Schwäbischen Alb und dass man da wenig Landwirtschaft betreiben kann. Und es gibt da sehr karge Böden und es ist alles halt sehr hügelig. Und auch da war es eben so, dass die Bewohner natürlich gucken mussten, wie sie ihr Auskommen verdienen. 

Und ähnlich wie in Neroth hat diese Not halt einen gewissen Erfindergeist gefördert. Und in Killer ist es eben auch so. Oliver Simmendinger erklärt mal ganz kurz, wann man zum 1. Mal diese Peitschen Herstellung in Killer nachweisen kann. 

Oliver Simmendinger: 

Wir haben da eine urkundliche Erwähnung gefunden im Staatsarchiv in Sigmaringen. Ein Gericht Protokoll, wo jemand, der heimlich Stämme in den Wäldern geklaut hat und die verkaufen wollte. Das Holzschlagen stand damals unter Strafe. Da wurde er erwischt und der wollte das Holz, den Killermann Goiselmachern, den Peitschenmachern verkaufen und das war schon 1730. Aber da hatten die schon ihren Ruf weg. 

Also das war damals schon die Killermer Goiselmacher. Also hat es vermutlich noch viel weiter vorne angefangen. 

Lukas: 

Also Goisel ist der schwäbische Ausdruck für Peitsche? 

Oliver Simmendinger: 

 Genau so kann man sagen. 

Lukas: 

Seit dem 18. Jahrhundert und wahrscheinlich schon viel früher hat das Dorf eben diese Tradition, die sehr einmalig ist. Und Killer hat als Ortschaft eigentlich mehrere Jahrhunderte nur von der Peitschenherstellung gelebt. Die Hochzeit dieser Peitschenherstellung, die war um das Jahr 1930. Danach waren Peitschen einfach nicht mehr so sehr gefordert und das sind aus Killer 5.000 Peitschen pro Tag verkauft worden. 

Und jetzt schätz mal, wenn die 5.000 Peitschen pro Tag verkauft haben, wie viele Menschen haben in Killer von der Peitschen Herstellung ungefähr gelebt? 

Ralph: 

5.000 pro Tag? Naja, wie lange wird man dann für so eine Peitsche brauchen? So müsste ich ja anfangen. Sagen wir mal, wir brauchen für eine Peitsche pro Person vielleicht, wenn das Material schon da ist, eine Stunde, vielleicht auch zwei, weil es ist schwierig einzuschätzen, aber selbst dann braucht man… Das müssen ja hunderte von Leuten sein. 

Lukas: 

Also es waren rund 1.200 Peitschenmacher. Doppelt so viele Menschen wie Killer Einwohner hatte waren um das Jahr 1930, da war eben der Peak an Peitschenmachern und mit deinen 1 bis 2 Stunden pro Peitschen liegst du sehr weit daneben, denn es dauert nämlich sehr viel länger aber dazu kommen wir auch später noch. Na ja, weil eben diese Peitschengeschichte so ganz speziell für diesen Ort ist und weil man überhaupt mal zeigen wollte, wie komplex Peitschen sein können, hat Oliver Simmendingers Vater 1993 im alten Bahnhofs Haus dieses Museum eröffnet. 

Und das kannst du dir so vorstellen: Da gibt es einen großen Ausstellungsraum, in dem befinden sich mehrere 100 Peitschen unterschiedlichster Bauart, auch Peitschen aus der ganzen Welt. Und im Nebenraum ist sogar noch eine voll vorhandene Werkstatt zur Peitschen Herstellung. Und die funktioniert bis heute. Also bis heute werden da auch teilweise Peitschen gebaut, obwohl die Maschinen alle steinalt sind. Also ich würde mal behaupten, dass die Maschinen locker 80 bis 100 Jahre alt sind. Und das Schöne an dieser Museumsgeschichte, wenn es in Bezug auf die Familie Simmendinger geht, ist dass die Simmendinger selber noch bis vor drei Generationen professionelle Peitschenmacher waren. Die haben noch bis vor drei Generationen wirklich davon gelebt. Und Oliver Simmendinger kann auch heute noch Peitschen bauen. 

Natürlich nicht mehr so gut wie damals, weil er sagt es einfach, da ganz viel verlorengegangen ist an Wissen. Aber er kann heute noch Peitschen bauen. So, und jetzt erst mal eine Frage an dich, Ralph, was weißt du eigentlich über Peitschen? 

Ralph: 

Ich weiß, dass meine Jugendheld Indiana Jones immer eine Peitsche bei sich hatte. Und die ja benutzt hat, um sich daran entlangzuschwingen. Und ich weiß nicht, ob das möglich ist. 

Lukas: 

Also vielleicht sollten wir erst mal kurz klären, was gibt es eigentlich für verschiedene Peitschen-Arten? Und das erklärt uns Oliver Simmendinger. 

Oliver Simmendinger: 

Viele wissen gar nicht mehr, was eine Peitsche überhaupt ist. Also man unterscheidet halt zunächst mal die Stockpeitschen und die Karbatschen. Die ist das, was viele eher noch kennen von Indiana Jones oder Zorro. Es ist ein kurzer Stil mit einem langen Lederseil oder mit einem geflochtenen Seil. Was für große Herden gedacht war, um große Herden zu treiben, war im Unterschied dazu eben die Stockpeitsche, die einen sehr langen Stock hat und nicht nur einen kurzen Lederriemen, wie man es eben von der Kutsche her oder vielleicht auch von der Dressur aus dem Zirkus noch kennt. 

Ralph: 

Als Indiana Jones Fan weiß ich ja zum Beispiel auch, dass Indiana Jones diese Peitsche ja quasi als Jugendlicher zufällig gefunden hat, weil da gibt es so eine Szene im Film, wo er sich auf einem Zug befindet, auf einem Fahrenden. Und dann stürzt er durch das Dach ins Zugabteil rein und es handelt sich um Zirkuswaggons und da ist eben ein Löwe drin und dann sieht er dort diese Peitsche. 

Also schon in Indiana Jones wird da diese Verbindung zum Zirkus hergestellt. 

Lukas: 

Ich glaube, das führt zu weit. 

Ralph: 

Egal! Für alle Hardcore Fans da draußen. 

Lukas: 

Die Peitsche, die du am Anfang gehört, das war diese Peitsche aus Ungarn, das ist dann eine Karbatsche und die Karbatsche ist sozusagen auch das, was Indiana Jones hat. Also ein kurzer Schaft und ein sehr langer Riemen dran. Genau. Und die klassische Kutscher Peitsche, da ist eben der der Schaft wesentlich länger und der Riemen dafür kürzer. Und die hört sich natürlich auch ganz anders an und die habe ich für dich natürlich auch einmal aufgenommen. 

[Peitschenknallen Kutscherpeitsche] 

Lukas: 

Und was ist das für eine Peitsche? 

Oliver Simmendinger: 

Das ist eine klassische Kutscher Peitsche, kann man sagen. Genau mit der kann man eben maximal das Geräusch was man jetzt gehört haben machen. Ansonsten ist die ja fast 2 Meter lang. Man kommt also vor zum Pferd, kann das berühren, kann auch nur so ganz leise zischen. Das kann man auch noch einmal sich jetzt vorstellen, dass ich jetzt direkt neben dem Kopf vom Pferd, dann reicht das schon so, weil der Kutscher will auch nicht viel Kraft aufwenden. 

Ralph: 

Bei der Kutscherpeitsche, das hört sich so an, als wäre da dieser Riemen auch viel dünner. Also der ganze Sound ist dünner als bei dieser Peitsche am Anfang. Ist das richtig? 

Lukas: 

Das ist absolut richtig. Der ist wirklich nur so dick und bei der Backe bei der ungarischen Karbatsche am Anfang war der Riemen, ich würde mal sagen 1,5 bis 2 Zentimeter breit. Also das war ein richtiges Trum und bei der Kutsche Peitsche eben viel, viel kürzer. Oliver hat jetzt gesagt, dass die Kutscher Peitsche die Tiere auch berührt hat. Das stimmt, aber wirklich nur, um die Tiere quasi zu berühren, aber nicht um Schmerz zuzufügen. Also die Haupt Navigations Funktion einer Peitsche besteht wirklich darin, akustische Signale auszusenden, auf die das Tier reagiert und wo das dann quasi in eine andere Richtung geht, als wenn ich jetzt die Peitsche am rechten Ohr des Pferdes knallen lasse, dann würde das Pferd nach links gehen, sozusagen. 

Und je nachdem, wie ich die Peitsche halte, ist es natürlich auch so, dass es die Hupe derzeit ist, in der es noch keine Autos gab. Denn du musst jetzt mal Städte vorstellen, in denen Pferdefuhrwerk rumfahren. Da ist es natürlich so, dass es wie in allen alten Städten ganz enge Gassen gab. Und damit sich diese Pferdefuhrwerke nicht gegenseitig über den Haufen fahren, hat man quasi jedes Mal, bevor man in die Kurve rein gegangen ist, also vorher mit der Reiter Peitsche ins Signal gegeben, was sozusagen die Hupe war. 

Und dadurch hat man eben auch versucht, Unfälle zu vermeiden. Also deswegen muss diese Peitsche, also diese Kutscher Peitsche, halt relativ agil sein und relativ leicht sein, weil du musst sie aus dem Sitzen mit wenig Kraft so schnell auslösen können, damit dieser Signalton eben ganz easy ertönt. 

Ralph: 

Du hat vorhin Reiter Peitsche gesagt. Ist damit die Kutsche Peitsche gemeint? Ist das ein und dasselbe? 

Lukas: 

Genau, was du vielleicht noch im Kopf hast, das ist die Reitgerte. Aber bei der Gerte ist es so, eine Gerte hat ja keinen langen Riemen, sondern ja nur so einen kleinen Zusatz. Ich weiß gar nicht, wie der richtig heißt. Und mit dieser Gerte, da würde man Pferde auch tatsächlich berühren, also auch wirklich sozusagen kinetische Energie auf das Pferd übertragen. 

Aber das ist keine Peitsche, das ist eine Gerte. Und in unserem Fall geht es wirklich nur um Peitschen. 

Ralph: 

Okay. 

Lukas: 

Wenn wir uns jetzt mal mit der Herstellung dieser Peitsche beschäftigen, ist es natürlich so, dass wir immer zwischen dem Peitschenschaft und dem Riemen unterscheiden müssen. Was wir jetzt beschreiben werden ist der Peitschenschaft, also das ist quasi das, wofür ich die konische Form brauch. Und an diesem Peitschenschaft wird vorne der Riemen befestigt, der Riemen, da gibt es auch ganz verschiedene Herstellungsweisen, aber für uns interessant, weil es sozusagen ein komplexere Teil ist. 

Normalerweise war es so, dass Peitschen immer aus Eichenholz gefertigt sind, denn Peitschen müssen ja stabil und biegsam sein. So, und jetzt ist natürlich die Frage, Oliver, hat ja gesagt, dass man möglichst wenig Kraft für diese Peitsche braucht, sondern dass das alles Technik ist. Es liegt natürlich auch daran, wie die Physik einer Peitsche funktioniert. 

Denn damit die Peitsche überhaupt knallt und damit überhaupt so viel Energie von dem Schaft auf den Riemen übertragen wird, ist die Peitsche in einer konischen Form gebaut. Weißt du, was eine konische Form ist? 

Ralph: 

Ja, das ist doch eine Kegelform also etwas, was spitz zuläuft, richtig? 

Lukas: 

Genau. Je konischer die Peitsche ist, desto mehr Energie wird übertragen. Aber auch das erklärt Oliver Simmendinger noch mal ein bisschen genauer. 

Oliver Simmendinger: 

Wir haben einfach eine Masse, die durch die Armbewegung in Schwung gebracht wird und der eine oder andere kennt vielleicht noch aus dem Physikunterricht den Energieerhaltungssatz. Wenn ich einmal eine Energie reinsteckt, dann wird die ja nicht weniger, sondern bleibt erhalten. Aber dadurch, dass die Masse sich nach vorne hin verjüngt, die Peitsche wird ja immer dünner, erhöht sich die Geschwindigkeit. 

Und dadurch, dass die Geschwindigkeit sich erhöht, bricht dann sozusagen am Ende die Schnur, durchbricht die Schallmauer und dadurch entsteht dann auch dieser laute Knall, wie man das kennt.  

Ralph: 

Und alle Peitschen sind konisch gestaltet, was dann nicht irgendwie vorne dran noch so ein Tropfen oder so. 

Lukas: 

Alle konisch. 

Ralph: 

Also das ist bei dieser Ochsen Peitsche so und ist das bei dieser Kutscher Peitsche auch so? 

Lukas: 

Ist bei allen Peitschen so. Also eine Peitsche, die nicht konisch zuläuft, würde gar nicht richtig funktionieren, weil die Übertragung vom Schaft auf den Riemen gar nichts hätte. Und das ist nämlich auch der springende Punkt, wo die Herstellung von Peitschen mit der Meisterhaftigkeit des Handwerks verbunden wird. Denn je besser eine Peitsche, desto konischer läuft sie zu und desto stabiler und biegsamer ist sie gleichzeitig. 

Denn je dünner ich vorne bin, desto weniger Energie brauche ich, weil desto mehr Energie wird ja konzentriert. Und je dünner das Material vorne ist, desto brüchiger wirds. Und gleichzeitig brauche ich ja auch noch ein relativ biegsamen Material. Also das sind verschiedene Faktoren, die diese Herstellung gar nicht so ohne machen. Und ganz am Anfang hat man das mit Ebenholz gemacht. 

Das ist sozusagen das, was diesen Ansprüchen an das Material, an die natürlichen Ressourcen die wir hier im deutschsprachigen Raum haben, am besten entspricht. Bei den Peitschen ist es so, die sind von Killer aus in ganz Deutschland vertrieben worden und irgendwann ist mal ein Peitschen Macher an einen Hochseehafen in Deutschland gekommen und da ist er mit einem Material konfrontiert worden, was die Peitschen Herstellung in Killer revolutioniert hat. 

Und das ist das sogenannte Manila Rohr. Und auch das erklärt uns Oliver Simmendinger kurz. 

Oliver Simmendinger: 

Ja, die Schiffe damals, ja noch so Holz Schalen, sag ich mal, die waren ja nicht so schöne Containerschiffe und so schön ausbalanciert wie heute, sondern die musste man je nach Ladung. Das waren Säcke oder lose Ware oder Kisten musste man die entsprechend dem Seegang auch noch ausbalancieren, damit die einigermaßen gerade im Wasser liegen. Und für das Ausbalancieren da haben die in Asien, sind die hergegangen und haben dieses Manila vorgeschlagen. 

Das ist durchzogen mit so vielen feinen Fasern und deswegen im frisch geschlagenen Zustand quasi voll mit Wasser, was sich die Pflanze versorgt und deswegen sehr schwer. Und diese Bündel haben aber nicht viel Platz weggenommen, konnten sich gut in die Ecken und überall rein stapeln lassen. Und so hat man das mit diesen schweren Manilastangen das Schiff ausbalanciert. Nach der Überfahrt und Ankunft in den deutschen Seehäfen war das Material aber vertrocknet und deshalb für die Seefahrer wertlos. 

Ralph: 

Hmmm, also quasi aus einem Abfallprodukt haben die dann Peitschen hergestellt? 

Lukas: 

Genau. Und es wurden mit Abstand die besten Peitschen und das liegt daran, wie man das Manila Rohr eben bearbeiten kann. Vielleicht noch mal ganz kurz für dich die Information, wenn man an eine Pflanze denkt oder an Rohr generell, dann denkt man ja an etwas, was innen hohl ist, wie zum Beispiel Bambus, der ja auch für seine Stabilität bekannt ist. 

Beim Manila Rohr ist es so, das ist nicht innen hohl, also das ist wirklich einfach ein Stecken, kann man sagen, der halt relativ groß ist. Ich habe da auch einen gesehen im Peitschenmuseum, das sind natürlich auch ein paar Manila Rohr Stöcke ausgestellt, in verschiedenem Bearbeitungszustand, also vom Rohzustand bis hin dann zu, wenn sie zu einer Peitsche verarbeitet werden. 

Und das sieht erst mal komplett unscheinbar aus, wenn es getrocknet ist. Das sieht aus wie ein helles Holz. Man hat am Anfang versucht, einfach nur aus diesem Manila Rohr, das in eine konische Form zu drechseln. Also man hat es in so eine Drechsel Bank rein gemacht, hat dann ein Messer genommen, hat quasi versucht, dieses Manila Rohr nach vorne hin immer dünner zu drechseln. 

Kannst du dir das vorstellen, wie ich das meine? 

Ralph: 

Also ich verstehe das total. 

Lukas: 

So und jetzt ist es natürlich so, es gab auch diese Herstellung, dass man quasi das Manila Rohr nur verjüngt, dass man es quasi so entlang drechselt. Aber um so eine richtig ultimative Killerer Peitsche zu bauen…. 

Ralph: 

Eine Killer Peitsche. 

Lukas: 

Um die ultimative Killer Peitsche zu basteln, hat man das Manila Rohr noch mal ganz anders bearbeitet. Auch das erklärt uns noch mal Oliver Simmendinger: 

Oliver Simmendinger: 

Wenn man jetzt hergeht und das einfach abkoppelt, sodass die Peitsche nach vorne hin dünner wird, dann ist eigentlich die gute Außenhaut von diesem Manila Rohr, war dann weg und dadurch auch die Spannkraft und die Haltbarkeit. Deswegen haben dann die Peitschenmacher, hier schwäbischer Erfindergeist sage ich mal, versucht quasi die Peitsche von innen auszuhöhlen. Und das hat man so gemacht, dass man das Rohr komplett aufgeschnitten hat in Einzelteile in Viertel, so dass man ins Innere reinkommt, hat dann mit Hobel Messern das Innere quasi raus gearbeitet und dann am Ende diese 4/4 Stücke wieder zusammen geleimt und dann war quasi nur das Beste vom Äußeren erhalten und die Peitsche nach vorne hin trotzdem dünner. 

Und bei dieser Gelegenheit ist man dann hergegangen und hat noch zusätzlich mit Stahl Einlagen gearbeitet. Mit Stahl Einlagen.  

Ralph: 

Die Stahl-Einlagen, hast du das dann auch gesehen? 

Lukas: 

Dieses Manila Rohr ist ja dann sozusagen hohl und es ist wieder zusammengeleimt und das ist so fein gearbeitet, dass man wirklich sehr genau hingucken muss, um überhaupt zu sehen, wo diese Viertel waren. Also Oliver Simmendinger musste mir das wirklich zeigen, sonst hätte ich das gar nicht gesehen. Und innendrin kommt quasi noch ein Federstahl rein, der sozusagen zusätzlich dieses ganze Konstrukt noch mal stabilisiert. 

Lukas: 

Und bei der Manila Peitsche, wo die so hergestellt ist, die kannst du fast, also kannst du den Peitschenschaft fast um 180 Grad drehen, ohne dass sie auseinanderbricht. Also der hat es für mich in dem Museum gemacht und hat diese Dinger, hat die gedreht und ich dachte, okay, jetzt krachts hier, jetzt ist gut, aber die sind komplett flexibel. 

Das ist jetzt auch nur eine von vielen Herstellungsarten, wie man mit diesem Manila Rohr umgehen kann. Es gibt noch ganz andere Herstellungsweisen und natürlich wie alles was irgendwie hergestellt wird, von den Menschen wurden auch Peitschen irgendwann mal dafür benutzt um den Status von Menschen bzw auch den Reichtum von Menschen zu demonstrieren. Denn letztlich ist es so, dass die Sonntags Peitsche das war, was heute Markenklamotten waren. 

Damals waren quasi Peitschen richtige Statussymbol und je nachdem wie die hergestellt waren und ob die Verzierungen drin hatten und ob da noch irgendwie wertvoller Stoff um den Schaft gewickelt wurde. Und so weiter und so fort war das ein Statussymbol. 

Denn ist es tatsächlich auch wieder so? Also da gibt es sehr viele Parallelen zum Auto, das werden Sie feststellen. Man hat damals schon hat sich dann eine Sonntags Peitsche etabliert, das heißt, die Leute, die am Sonntag dann mit dem Pferdewagen in die Kirche gefahren sind, der wollte dann der Bauer am Sonntag eine besondere Peitsche in der Hand haben. 

Nicht die, die die ganze Woche über vielleicht bei der Arbeit im Einsatz war und dementsprechend sind die Peitschen Betriebe dann drauf eingestiegen. Haben eben unterschiedliche Möglichkeiten gesucht, wie man die Peitsche verzieren und noch schöner machen kann.  

Ralph: 

Ja, genau wie beim Auto. Da fahre ich auch Sonntag mit meinem besonderen Auto zum Gottesdienst und sonst habe ich meinen Dienstwagen. 

Lukas: 

Ja gut, vielleicht nicht ganz so, aber du weißt, worauf ich hinauswill. Also es gibt halt eine Wochentags Peitsche und eine Sonntags Peitsche. Und das ist natürlich schon irgendwie aus unserer heutigen Sicht ein bisschen skurril, dass ich meine Sonntags Peitsche mit in die Kirche nehm. 

Ralph: 

Wenn du Besuch kriegst, dann gibt es für dich die Peitsche. 

Lukas: 

Und bei den es ist übrigens auch so, dass die Killerner Goiselmacher sich auch ihre, also die krasseste Peitsche, die wertvollste Peitsche haben die sich auch über ihre Stuben Tür gehangen, damit jeder der gleich reinkam wusste okay, das ist jetzt ein richtig krasser Peitschenmacher, weil der das und das Material verwendet und weil er das und das gemacht hat. 

Und so weiter und so fort. Also es ist auf jeden Fall ein Statussymbol was glaubst du, wie lang eine Peitsche hält, wenn sie richtig gut hergestellt ist und wenn man sie täglich braucht. Also nicht die Sonntags Peitsche, sondern so eine Wochentags peitsche. Was glaubst du wie lange hält die ungefähr? 

Ralph: 

Also meinst du jetzt so eine Kutscherpeitsche? 

Lukas: 

Ja egal, die halten ungefähr gleich lang. 

Ralph: 

Ich glaube, dass sie mehrere Jahre halten. Ich würde mal sagen vielleicht wie so ein Computer. So zwei Jahre. 

Lukas: 

Ja, also wenn man die wirklich täglich benutzt und intensiv benutzt, hält die ein bisschen über ein Jahr, weil es ist trotzdem eine krasse Kraft, der Energie Transfer. Also die muss man schon regelmäßig austauschen. Und natürlich, wenn man sich überlegt, wie viele Fuhrwerke und Ochsen Gespanne und Kutschen und alles mögliche es noch 1930 in Deutschland gegeben hat, kann man sich vorstellen, was da für eine Peitschen Produktion notwendig war, um das natürlich alles am Laufen zu halten. 

Und wenn dann noch diese Luxuspeitschen und diese Sonntagspeitschen hinzukommen, hat man natürlich eine wahnsinnige Nachfrage nach Peitschen. 

Ralph: 

Hmmm gehst du eigentlich noch auf den Riemen ein? 

Lukas: 

Nicht wirklich, weil der Riemen ist halt nicht zu spannend, weil das ist halt meistens geflochtene Leder. 

Ralph: 

Ahja, okay. 

Lukas: 

Jetzt hast du diese unglaubliche Nachfrage und wie kommen jetzt die Menschen zum Angebot? Hast du da eine Idee wie es damals geklappt hat? 

Ralph: 

Hmm Na ja, vielleicht über Märkte, dass die Peitschen Hersteller vielleicht irgendwie auf Märkte gefahren sind oder halt irgendwo in die Städte, wo die Peitsche noch oft gebraucht worden sind von Kutschen oder vielleicht Anzeigen in der Zeitung? Ich weiß es nicht. 

Lukas: 

Ja und nein. Es war auch so, dass das ein bisschen war wie bei den Mausefallen in Neroth. Es gab tatsächlich fahrende Peitschenhändler, die im Sommer von Stadt zu Stadt gereist sind und die haben da ihre Aufträge angenommen, haben die im Winter dann gebaut und im Sommer ausgeliefert. Das heißt, man hat jedes Mal eine Peitsche für das nächste Jahr bestellt. 

Lukas 

Und es gab natürlich nicht nur eine Peitsche, sondern es gab ganz verschiedene. Es gab sogar einen richtigen, richtigen Katalog von Peitschen, und zwar in Form von Peitschen-Miniaturen. Das heißt, die Peitschen Macher haben in der Zeit gebaut, und haben die dann mitgenommen. 

Oliver Simmendinger: 

Und drum gingen die Peitschen Macher her und haben ihre verschiedenen Typen, die es gab im Modell, quasi nachgebaut. Und mit solchen Modellen dann hat man eine Kollektion zusammengestellt und ist dann mit diesen Kollektionen auf Reisen gegangen, um so ihre Peitschen an den Mann zu bringen.  

Ralph:  

Und das war ja dann noch im 20 Jahrhundert so? 

Lukas: 

Genau. Das ist natürlich weniger geworden und ich kann mir gut vorstellen, dass es dann 1930, dass es dann nicht mehr so viele fahrende Händler gab. Also ich glaube, dass sich diese Produktion tatsächlich eher auf Ende des 19. Jahrhunderts fokussiert. Ich glaube, dass es da einfach 1930 schon andere Möglichkeiten gab, aber sicherlich wird man das damals auch noch so gemacht haben. 

Ralph: 

Ja, ich meine, es wurden ja irgendwann in 20 Jahrhundert kam ja das Auto auf und wurde dann ja auch die die Kutsche als Transportmittel verdrängt. Und wahrscheinlich ging ja dann die Nachfrage nach Peitschen auch ein bisschen runter. 

Lukas: 

Absolut. Also ab dem Zeitpunkt, wo das Auto den Straßenverkehr revolutioniert hat und ab dem Zeitpunkt, wo die Landwirtschaft primär von Maschinen durchgeführt wurde, ist es natürlich so, dass die Peitschen in den Bedeutungsverlust gegangen sind. So, und jetzt noch eine Information zum Schluss: Wenn es um die Kategorisierung von Peitschen geht; es gibt ja noch abseits von Kutschen und von Reit Veranstaltung eine andere Domäne, in der Peitschen verwendet werden. Das ist ja zum Beispiel die BDSM Szene und das ist ziemlich witzig, weil wenn es darum geht, sich im Schlafzimmer auszupeitschen, benutzen die meisten Leute eigentlich eine Peitsche, die gar keine Peitsche ist, sondern ein Reinigungsgerät. 

Ralph: 

Wie ein Wischmopp, oder was? 

Lukas: 

Ja, so in der Richtung. Und zwar handelt es sich bei einer klassischen Peitsche, die für BDSM verwendet wird, zum Beispiel um eine französische Klopf Peitsche und da gibt es auch einen Ton dazu. 

Oliver Simmendinger: 

Wobei ursprünglich die Peitsche die Peitsche wie man sie hier sieht. Also das sind mehrere Lederriemen an einem kurzen Griff dran. Das tut sicherlich arg weh, wenn man da, wenn man da feste zuschlägt, Ursprünglich kommt die tatsächlich aus Frankreich und wurde dort verwendet, um die damals noch sehr aufwendig hergestellten Uniformen der Soldaten von Staub und Schmutz zu befreien. Die haben dann quasi an der Uniform sich so runter geklopft, deswegen Klopfpeitsche. 

Ralph: 

Du musst mir jetzt diese Klopf Peitsche erklären, weil ich bin da nicht so bewandert drin. Also wenn ich jetzt an BDSM denke, dann denke ich, glaube ich, eher an so eine Gerte oder an so ein Paddel. Ich glaube, es gibt noch irgendwie so was Paddelartiges, aber ich weiß jetzt nicht, was diese Klopfpeitsche ist. 

Lukas: 

Genau. Aber dieses Paddelartige sind ja letztlich auch Gerten, nur mit einem breiteren Blatt oben dran. Diese Klopfpeitschen sind diese Teile, die man auch immer aus so ganz martialischen Filmen sieht, wenn jemand ausgepeitscht wird. Das ist ein relativ kurzer Schaft und an diesem Schaft gibt es mehrere Lederriemen, also nicht einen Riemen, sondern mehrere. Und das ist eigentlich ein Reinigungsgerät und gar nicht dafür gedacht, um Leute auszupeitschen, also um Schmerz zu verursachen. Und ich finde es eigentlich witzig, wie quasi eigentlich ein Reinigungsgerät dann als Peitsche benutzt wird und die eigentlichen Peitschen ja so kaum mehr benutzt werden. 

Ralph: 

Aber es passt ja total. Ich bin so dreckig, reinige mich also ich glaube, ich weiß jetzt auch was du meinst. Also mit so mehreren Riemen dran. Ist es nicht auch diese neunschwänzige Katze oder ist das wieder was anderes? 

Lukas: 

Weiß ich nicht. 

Ralph: 

Okay, ist aber nicht aus dem BDSM Bereich. Also das ist glaube ich aus dem Mittelalter, dachte ich. Ich habe noch eine Frage und zwar zur Benutzung dieser Peitschen. Du hast jetzt diese Kutscher Peitsche erklärt. Wie verwendet man denn diese Ochsen Peitsche? 

Lukas: 

Die Ochsen Peitsche ist letztlich dafür da, dass man ganze Ochsen-Herden mit akustischen Signalen lenken kann und deswegen hat man da auch so viel Platz gebraucht, weil die sind extrem laut. Also das hat man dann in ganz Killer gehört als Oliver Simmendinger diese ungarische Ochsen Peitsche da für mich geschwungen hat. Die ist wirklich laut, also einfach deswegen, um halt große Herden lenken zu können. 

Und das muss man auch wirklich trainieren. Also da gibt es verschiedene Techniken, wie man das machen kann. Ich glaube nicht, dass wir beide jetzt aus dieser Peitsche einen Ton rausbekommen würden. 

Ralph: 

Und was kostet so eine Peitsche? 

Lukas: 

Das weiß ich nicht. 

Ralph: 

Okay, also man kann jetzt dort vor Ort nicht einfach so eine Peitsche kaufen. 

Lukas: 

Nein, das geht nicht. Jetzt ist natürlich so, das Peitschen-Museum in Killer ist ein sehr, sehr kleines Museum, das hat nur ein paar 100 Besucher pro Jahr und während der Pandemie musste das Museum komplett dichtmachen. Und das Museum wird auch vom Heimatverein getragen. Das heißt, sie haben jetzt nicht wahnsinnig viele Ressourcen, aber, und das hat man gemerkt, das macht Oliver Simmendinger natürlich auch, weil es ein Stück Familiengeschichte ist, aber auch mit sehr viel Herzblut. 

Lukas: 

Und alleine schon die Tatsache, dass die das wiederherstellen, dass sie auch wieder angefangen haben, Peitschen zu produzieren, ist natürlich super. Die sind auch regelmäßig zum Beispiel auf Heimattagen unterwegs, wo die dann diese Killerer Peitschenmacherei zeigen. Und es ist schon echt ein schönes kleines Projekt. Also wenn man sich dafür interessiert, sich das mal anzugucken. Es gibt die Homepage des Peitschen Museums in Killer, das kann man einfach mal Googlen oder wir stecken es in die Show Notes und da kann man auch Führungen ausmachen. Und das ist auf jeden Fall denke ich eine tolle Gelegenheit. Also eine blöde Nachricht da noch irgendwie zum Schluss. Es gab leider einen Brandanschlag vor kurzem auf dieses Museum. Kein Mensch weiß wieso, weil das ist wirklich ein tolles kleines Heimatmuseum und das Peitschen Museum wäre natürlich auch sehr dankbar, wenn es vielleicht die einen oder anderen geben würde, die ein bisschen was spenden an den Heimatverein in Killer, damit da die Schäden möglichst schnell beseitigt werden. 

Am Museum selbst sieht man das gar nicht, dass ist nur in einem dieser Räume. Genau. Also wem jetzt diese Geschichte gefallen hat, oder wer das Museum in Killer unbedingt mal besuchen möchte, der kann ja vielleicht den einen oder anderen Euro an den Heimatverein überweisen, damit die diese schöne Lokalgeschichte die auch darüber hinausgeht. Denn auch diese Peitschen sind in ganz Deutschland und darüber hinaus verkauft worden. 

Ralph: 

Da finde ich eine gute und wichtige Sache, weil uns ist ja daran gelegen, dass wir kleine Museen vorstellen und natürlich, dass die auch erhalten bleiben, weil die ja so spezielle Themen haben, die, wenn die Museen schließen, dann vielleicht auch in Deutschland aussterben. 

Lukas: 

Absolut. Tja, Ralph, das war mein Besuch mit dir im Peitschen Museum in Killer. 

Ralph 

Der hat mir jetzt sehr gefallen. Ich bin da wirklich total neugierig drauf, das selber mal zu besuchen, weil ich mir da vorher ehrlich gesagt gar keine Gedanken darüber gemacht habe. Peitschen Das ist soweit weg von mir. Ich nutze die weder privat jetzt für BDSM noch für Zirkus Auftritt, sonst irgendwas. Aber wie viel Handwerk da drinsteckt, wusste ich nicht. Und ich wusste auch nicht, wie das so funktioniert mit dem Peitschen. Also finde ich sehr cool. Finde ich sehr interessant und es hat auf jeden Fall mir persönlich jetzt Lust auf mehr gemacht, weil ich glaube, dass da noch ganz viel zu erfahren ist, wenn man da hingeht. 

Lukas: 

Ja, das glaube ich auch. Und außerdem, man kann es auch super kombinieren. Mit einer Wanderung in der Schwäbischen Alb. Die Natur da außen rum ist natürlich super. Killer hat ja direkt einen Bahnhof, das heißt, das Museum ist ja direkt am Bahnhof und da ist es auch relativ gut angeschlossen, wenn man da nicht mit dem Auto hinmöchte. Also es ist einen Besuch wert, auf jeden Fall. 

Ralph: 

Ja, dann danke fürs Vorstellen, Lukas, danke auch für alle, die jetzt zugehört haben. Wir freuen uns natürlich immer über Feedback. Wir freuen uns auch, wenn ihr den Podcast an Freunde und Familie weiterleitet, damit einfach mehr Leute in den Genuss von diesen besonderen Themen kommen. Und wenn ihr Vorschläge habt, wo wir mal hinfahren sollten, in welches Museum, dann könnt ihr uns auch gerne eine Mail schreiben, die Infos dazu findet ihr alle in der Beschreibung unseres Podcasts. 

Lukas: 

Ich würde jetzt gar nicht mehr groß Tschüss sagen. Punkt. Podcast. 

Ralph: 

Punkt Podcast, so! 

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