Das Levi-Strauss Museum

BITTE NICHT ANFASSEN! #3 – Das Levi-Strauss Museum

SHOW NOTES

Ein jüdischer Auswanderer verändert die Welt und erfindet etwas, das garantiert jeder von uns schon einmal benutzt hat. Seine Geschichte beginnt in Oberfranken, wo heute noch ein Museum in seinem Geburtshaus an ihn erinnert. Eine Folge über Goldrausch, Erfindergeist und woher der Begriff Denim eigentlich stammt. 

Zum Album-Cover von Bruce Springsteen: https://de.wikipedia.org/wiki/Born_in_the_U.S.A 

Ralph erwähnt folgenden Film von Otto Waalkes: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_%E2%80%93_Der_Film (Vorsicht, der ist sehr schlecht gealtert) 

Infos zum Museum: 

Levi-Strauss Museum Buttenheim 
Marktstraße 31-33 
96155 Buttenheim 
https://levi-strauss-museum.de/ 

Transkript: 

Ralph: 

Hey, ich bin Ralph  

Lukas: 

und ich bin Lukas. Und in diesem Podcast nehmen wir euch zu Museen aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit.  

Aber es geht nicht um die großen berühmten Museen, sondern um kleine, alternative, skurrile und manchmal auch ganz schön lustige Museen. 

Ralph: 

Wir wollen wissen, was Menschen dazu bringt, Dinge zu sammeln und ihnen ein Museum zu widmen. 

Lukas: 

In jeder Folge stellt einer von uns dem anderen und euch natürlich ein Museum vor, das er besucht hat.  

Ralph: 

Und jetzt geht’s los.  

Intro – Bitte nicht anfassen. 

Intro: 

Museum mal anders. ein Podcast von Escucha.  

Ralph: 

Worum geht es denn heute, Lukas?  

Lukas: 

Also heute geht es um eine jüdische Familie, den Goldrausch in den USA, ein großes Erdbeben und dass die Auswirkungen all dieser Ereignisse  

zu etwas beitragen, was garantiert jeder von uns schon hunderte Male in seinem Leben benutzt hat. 

Lukas: 

Und es geht um das Museum, das sich genau um dieses Objekt dreht. Wir reisen nach Buttenheim, in meine oberfränkischen Heimat, und wie das Museum genau heißt,  

das erzähle ich dir später. Ich stelle zuerst mal Tanja Roppelt vor, sie kümmert sich um das Museum und beschreibt, wo wir gerade sind. 

Tanja Roppelt: 

Hier befinden wir uns in der guten Stube der Familie Strauss. Das ist ein sehr kleiner Raum, vielleicht 20 Quadratmeter, mit einer niedrigen Holzdecke.  

Und es war der einzige Raum im Haus, der beheizt werden konnte. Nebenan war eine kleine Schlafkammer, dahinter eine kleine Küche, also ungefähr 50 Quadratmeter. 

Tanja Roppelt: 

Und diese kleine Wohnung hat eben die neunköpfige Familie Strauss: Vater, Mutter, fünf Kinder aus der ersten Ehe des Vaters und die zwei Jüngsten bewohnt.  

Ralph: 

Okay, das klingt ein bisschen nach ärmlichen Verhältnissen.  

Lukas:  

Ja, aber kannst du dir vorstellen, um welche Familie Strauß es geht bzw. wer mit Familie Strauss gemeint ist? 

Ralph: 

Ja, also mir fällt da schon jemand ein. Aber da bin ich jetzt zu unsicher, um das zu äußern.  

Lukas: 

Also gut, dann löse ich es mal auf. Es geht um Levi Strauss,  

den Erfinder der Jeans und wir sind dazu im Levi Strauss Geburtshaus in Buttenheim. 

Lukas: 

Denn das Haus, wo Levi 1829 geboren wurde, existiert heute noch. Und das ist jetzt ein Museum. Und die Geschichte hinter Levi Strauss und wie die Jeans erfunden  

wurde, ist total faszinierend. Und auch das Museum ist total faszinierend und davon würde ich dir gern heute erzählen. 

Ralph: 

Ja, sehr gerne. Ich weiß nämlich so gut wie gar nichts darüber.  

Lukas: 

Das sind gute Voraussetzungen. Ja, wie bereits gesagt, Levi wurde 1829 in Buttenheim geboren,  

als jüngstes Kind eines jüdischen Hausierers. Weißt du, was ein Hausierer ist?  

Ralph: 

Ist das so ein Vertreter? 

Ralph: 

Ist das so ein Typ, der von Haus zu Haus geht, um was zu verkaufen? 

Lukas: 

Genau richtig. Das ist quasi der Vertreter des 19. Jahrhunderts, könnte man sagen. Das waren  

aber auf jeden Fall richtig ärmliche Jobs damals. Und das hatte den Hintergrund, dass Juden damals den war es nicht erlaubt, Landwirtschaft zu betreiben. 

Lukas: 

Und den war es auch nicht erlaubt, ein Gewerbe zu betreiben. Und deswegen mussten sie sich mit so anderen Berufen über Wasser halten. Und da waren sehr, sehr  

viele Hausierer. Buttenheimn zu der damaligen Zeit: Heute ist es eine Gemeinde mit ein paar 1000 Einwohnern. 

Lukas: 

Damals hat es so um die 250 Einwohner und hatte für die Verhältnisse eine sehr, sehr große jüdische Gemeinde. Das heißt, jeder fünfte. Einwohner in Buttenheim 

war jüdischen Glaubens. Sie hatten auch zeitweise einen eigenen Rabbiner, die hatten ein eigenes Ritualbad. 

Lukas: 

Also eigentlich alles, was man so für ein jüdisches Leben vor Ort braucht. Das war so, weil Buttenheim lange Zeit protestantisch sozusagen regiert wurde.  

Die Herrschaft im 19. Jahrhundert, gerade zum Beginn des 19. Jahrhunderts, war ja auf dem Gebiet, was heute Deutschland ist, sehr zersplittert. 

Lukas: 

Das heißt, es gab ganz viele verschiedene Kleinstaaten, freie Reichsdörfer etwa und so weiter und so fort, und Buttenheim war eben eins davon. Und diese  

protestantische Herrschaft in Buttenheim hat erlaubt, dass sich jüdische Familien ansiedeln. Oder anders gesagt: Die haben nichts dagegen unternommen. 

Lukas: 

Und so kam es eben dazu, dass zur Zeit der Geburt von Levi Strauss, also 1820, jeder fünfte Einwohner in Buttenheim jüdischen Glaubens war.  

Tanja Roppelt: 

Anscheinend ist aber so das Zusammenleben der jüdischen Einwohner und der christlichen Einwohner über viele Jahre relativ reibungslos verlaufen. 

Tanja Roppelt: 

Es gibt so kleinere Dinge, dass man zum Beispiel Sonntag durften Juden nicht über den Kirchhof. Da gab es so ein Gesetz. Wahrscheinlich wollte man verhindern,  

dass da Handel getrieben worden ist. Es gab auch mal eine Beschwerde, dass eben Kinder den Lehrer geärgert hätten oder was, aber Kleinigkeiten. 

Tanja Roppelt: 

Ansonsten ging das Leben sehr reibungslos vonstatten.  

Ralph: 

Hmm, hört sich so an, als würde Religion keine Rolle spielen.  

Lukas: 

Ja, so indirekt. Ich mein, eine Diskriminierung  gab es schon allein deswegen, weil zum Beispiel Levis Vater ja bestimmte Berufsverbote hatte aufgrund seines Glaubens. 

Lukas: 

Und gerade in Bayern war es schon so, dass zu dieser Zeit Juden sehr diskriminiert worden sind. Aber die konnten halt trotzdem irgendwie über die Runden kommen,  

bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vater der neunköpfigen Familie stirbt. Woran genau, weiß man gar nicht so, aber man weiß, dass das halt verschiedene  

Auswanderungsbewegungen in Kraft getreten hat. 

Lukas: 

Und so sind von der Familie erst recht viele von Levis Geschwistern in die USA emigriert. Und irgendwann wollte dann auch die Mutter mit den verbliebenen  

Kindern in die USA emigrieren, einfach weil die auf ein besseres Leben gehofft haben. 

Ralph: 

War es zu der Zeit allgemein so war, dass die Leute dann in den USA so ihre Hoffnungen gesetzt hatten? Also gerade jüdische Leute? 

Lukas: 

Ja, ja, ganz viele. Ich meine, das waren nicht nur jüdische Menschen, die in die USA emigriert sind. 

Lukas: 

Es waren ja ganz viele Menschen, die einfach von den Gegebenheiten im alten Europa sich keine Zukunft versprochen haben und dann in die USA rüber gegangen sind.  

Was ich Tanja Roppelt gefragt habe, wie so eine Ausreise im 19. Jahrhundert eigentlich vonstatten geht, also kann man da einfach seine Sachen nehmen und dann  

sucht man sich das nächstbeste Schiff und dann 

Lukas: 

ist man irgendwann da, oder ja, keine Ahnung? Und was sie mir da erzählt hat, fand ich sehr spannend.  

Tanja Roppelt: 

Man musste erst mal einen riesen Behoerdenmarathon hinter sich bringen, Geburtsurkunde beibringen, Leumund, Zeugnis nachweisen, dass man genügend Geld hat.  

Und dann ganz am Schluss ist die Auswanderungsabsicht im Amtsblatt veröffentlicht worden. 

Tanja Roppelt: 

Das hatte zum Zweck, wenn die Leute noch Schulden hatten, dass die Gläubiger ihr Geld noch eintreiben konnten. Und erst wenn sich daraufhin niemand gemeldet hat,  

der Ansprüche hatte, hat man die Erlaubnis bekommen zur Auswanderung. Da hat man alles verkauft, was man nicht mitnehmen konnte, sich ein Schiffsticket  

gebucht und sich dann auf den Weg gemacht nach Bremerhaven. 

Ralph: 

Was ist denn ein Leumundszeugnis? 

Lukas: 

Ein Leumundszeugnis ist, dass du quasi jemanden brauchst, der dir bestätigt, dass es nichts gibt, was dein Ruf schädigen könnte.  

Sozusagen. Also die kommen dann in Bremerhaven an, also dann sind die auf das Segelschiff gegangen und je nach Seegang hat das zwischen vier und 13 Wochen gedauert. 

Lukas: 

Von Bremerhaven nach New York. Genau nach Bremerhaven sind die übrigens noch mit der Kutsche gefahren. Also später gab es dann Zugverbindungen.  

Die Familie Strauss ist da tatsächlich noch mit der Kutsche hingefahren. Als das Schiff dann losgegangen ist, kannst du dir vorstellen, dass das natürlich nicht  

gerade Kreuzfahrtverhältnisse waren, sondern die waren auf einem Zwischendeck mit hunderten anderen 

Lukas: 

Menschen eingepfercht, kommen halt nach einer sehr, sehr schwierigen Überfahrt irgendwann mal in New York an und das war dann 1848. 

Ralph: 

1848. Das heißt, Levi war da 19 Jahre alt? 

Lukas: 

Genau der war da sehr jung. Richtig. Wie das so üblich ist, wenn Menschen in die USA emigrieren 

Lukas: 

Im 19. Jahrhundert ist es ja ganz oft so, dass Namen dann amerikanisiert werden. Das berühmteste Beispiel, glaube ich, aus der jetzigen Geschichte ist Donald Trump,  

weil dessen Familie hieß eigentlich Trumpf mit Nachnamen. Die waren ja auch deutsche Auswanderer. 

Lukas: 

Und da wurde dann Trumpf zu Trump. Strauss wurde tatsächlich übernommen im Amerikanischen. Was aber nicht übernommen wurde, sind die Vornamen. Also in Deutschland hieß  

Levi oder wie man es deutsch ausspricht, Levi immer Löb. Der Name Levi oder Levi kam erst, als sein Name amerikanisiert wurde, weil das Ö wahrscheinlich damals keiner gern ausgesprochen hat. 

Lukas: 

Und dann hat man aus Löb Levi gemacht, genauso wie man aus seiner Schwester Vögela Fanny gemacht hat.  

Ralph: 

Okay, ja, interessant.  

Lukas: 

Also diese Familie kommt dann 1848 in New York an und dann wohnen die zuerst mal bei Geschwistern, die ja schon Jahre vorher nach New York gegangen sind, auch da. 

Lukas: 

Die Geschwister haben erst mal einen Hausiererhandel aufgemacht nach dem Vorbild des Vaters in Buttenheim und haben sich in Little Germany niedergelassen.  

Weißt du, wo das heute ungefähr ist?  

Ralph: 

Also es liegt dann ja in New York, hast du gemeint. In New York, da gibt es verschiedene Stadtteile. 

Ralph: 

Es stellt sich jetzt die Frage, ob es einen Stadtteil gibt, der so deutsch heißt. Ich kenne ja fast gar nichts, muss ich sagen. Ich kenne Manhattan und, äh,  

was kenne ich noch. Wie heißt es? Queens.  

Lukas: 

Genau. 

Ralph: 

Aber das wird es wahrscheinlich nicht sein.  

Lukas: 

Nein. Also du bist schon ganz richtig mit Manhattan. Es ist die Lower East Side, also da wo jetzt die ganzen Reichen wohnen in  

New York mit den ganzen riesen Penthouses. Das war früher Little Germany. 

Lukas: 

Und Levi fängt dann quasi an, bei seinen Brüdern in diesem Handel mitzuarbeiten. Die arbeiten zu diesem Zeitpunkt, als Levi ankommt, schon gar nicht mehr als Hausierer,  

sondern die haben einen Gemischtwarenhandel einfach aufgemacht. Levi bekommt 1853 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 

Lukas: 

Also vier Jahre nachdem er da angekommen ist. Und bis dahin ist er auch in New York. Aber dann passiert etwas, was die Geschichte der USA und auch die Geschichte der  

Welt verändert. Und das erklärt uns Tanja Robbelt noch mal. 

Ralph: 

Zum Glück. Ich dachte, jetzt kommt wieder eine Frage.  

Tanja Roppelt: 

Ja, dann kamen Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien an der Ostküste an, haben die größte Völkerwanderung in der  

Geschichte der USA ausgelöst und die Brüder haben unseren Levi dann an die Westküste geschickt. 

Tanja Roppelt: 

Er soll eine Niederlassung ihres Geschäfts eröffnen und es gab verschiedene Möglichkeiten, um von Osten in den Westen zu kommen. Die eine war, wie wir es aus den Westernfilmen kennen,  

mit den Planwagen über Land, die andere war mit dem Segelschiff um Kap Horn herum. 

Tanja Roppelt: 

Es war eine sehr stürmische und lange Reise und die dritte Möglichkeit war mit dem Dampfschiff nach Panama, mit einem Maulesel über die Landenge von Panama und dann mit  

dem Dampfschiff weiter nach San Francisco.  

Ralph: 

Ja, das waren noch andere Zeiten. 

Lukas: 

Allerdings.  

Ralph: 

Ja, und für welche Variante hat er sich dann entschieden?  

Lukas: 

Er ist in der Panama Variante rüber gekommen. Das hat tatsächlich nur vier Wochen gedauert, was ich irgendwie faszinierend finde,  

weil du musst ja einmal die komplette USA runter, Mexiko runter, dann bis Panama, dann mit dem Maulesel da drüben auf der anderen Seite wieder hoch. 

Lukas: 

Aber sie meinte tatsächlich, das ist die schnellste Route gewesen, auch noch vor dem Panamakanal. Der ist erst Jahrzehnte später gebaut worden. Also der Panamakanal, der  

quasi zwischen Nord und Südamerika diesen Kanal macht, damit man nicht mehr um Argentinien und Chile rumfahren muss. 

Lukas: 

Ja, da kommt er dann an und er hat dann mit seinen Brüdern einen Großhandel gegründet für Objekte für die Goldgräber. Also diese Goldgräber, die da sind, die kommen da zu  

Hunderttausenden. Die brauchen Sonntagsanzüge, die brauchen Schüsseln zum Goldwaschen, alles Mögliche und er lässt sich in San Francisco nieder und merkte, dass es in  

San Francisco zwar sehr 

Lukas: 

viel Gold gibt, aber eigentlich nichts, was man sich dafür kaufen kann. Und das nutzt er aus und gründet quasi dieses Geschäft mit seinen Brüdern, die dafür sorgen, dass  

von der Ostküste die Objekte rüber kommen. Er kriegt von den Goldgräbern Gold, was in San Francisco eine Währung ist. 

Lukas: 

Die wird dann in Dollar umgetauscht, zurückgeschickt und so funktioniert dieses Geschäft von der Ostküste zur Westküste. Mit diesen Utensilien für Goldgräber und auch  

für Holzfäller, für eigentlich alle Menschen, die sich da ansiedeln, weil wenn das so viele Hunderttausende ankommen, das sind nicht nur Goldgräber, sondern das sind  

auch ganz andere Berufe dabei, die man dann irgendwann 

Lukas: 

mal automatisch braucht dafür. Das geht dann ganze 20 Jahre so weiter. Es gibt auf jeden Fall viel Geld. Also Levi ist zu diesem Zeitpunkt schon sehr, sehr reich und  

wohlhabend, wie die ganzen Brüder von ihm. Dann kommt es irgendwann zu einer sehr schicksalhaften Begegnung und auch die erzählt uns Tanja Roppelt noch mal! 

Tanja Roppelt: 

Also Levi hat dann 1872 einen Brief bekommen von einem Schneider aus Reno, Nevada. Den haben wir hier auch abgebildet. Jacob Davis, war auch ein europäischer Einwanderer, der  

kam aus dem Baltikum und der hat für die Minenarbeiter und für die Arbeiter Hosen gemacht. 

Tanja Roppelt: 

Und der Legende nach haben sich bei ihm die Leute immer beschwert, dass die Hosentaschen so leicht ausreißen. Und er musste dann immer diese Hosentaschen wieder annähen.  

Und dann kam er auf die Idee, er nimmt Nieten, die man für Pferdedecken verwendet hat und tackert diese Stellen fest. 

Ralph: 

Na ja, so langsam offenbart sich mir so ein Bild. Jetzt habe ich tatsächlich auch darüber nachgedacht. Es haben ja, glaube ich, wirklich nur Jeans, diese Nieten an den  

Hosentaschen.  

Lukas: 

Genau. Und das ist immer noch sozusagen auch die Erkenntnis an der Jeanshose. 

Lukas: 

Und das ist der Grund, warum die Jeanshose als Jeanshose überhaupt erfunden wurde. Den Stoff hat es vorher schon gegeben, da komme ich später gleich dazu. Sondern die revolutionäre  

Idee von Levi war tatsächlich einfach nur aus dieser Idee, die von diesem Schneider an ihn herangetragen wurde, das weiterzuentwickeln und für Jeanshosen, also für Hosen zu adaptieren. 

Lukas: 

Und das hat Levi dann auch gemeinsam mit diesem Schneider gemacht. Und dann haben die beiden ein Patent eingereicht und das war am 20. Mai 1873. Der Tag gilt als  

Geburtstag der Jeanshose. Also das einzige, was an der Jeanshose wirklich revolutionär war, war, Taschen nicht mehr nur anzunähen, sondern auch zu vernieten. 

Ralph: 

Aber das heißt, es gab schon vorher Hosen aus diesem Stoff, aber ohne diese Nietentaschen oder wie?  

Lukas: 

Richtig. Und die waren halt nicht besonders stabil und nicht besonders reißfest.  

Was Levi gemacht hat ist, dass er einfach damit mit diesen einfachen Konstruktionen die Hose viel praktikabler und viel ausdauernder gemacht hat. 

Lukas: 

Und jetzt wird es ein bisschen kompliziert, weil jetzt geht es nämlich darum, woher die ganzen Namen kommen. Und da muss jetzt gut aufpassen, denn da bringen wir viele, viele  

Sprachen durcheinander. Das ist aber auch, finde ich, total spannend. 

Lukas: 

Also der Name Jeans ist eine amerikanisierte Form, wie die Franzosen das italienische Genua aussprechen, also Genua, die Stadt in Norditalien. Und die wird im Französischen  

genauso ausgesprochen. Und weil jene in den USA keiner aussprechen kann, wird Jeans ausgesprochen. 

Lukas: 

Wenn du es Englisch aussprechen würdest, das hat die Bewandtnis, dass von da viele Stoffe gekommen sind. Das wurde im Englischen einfach zu Jeans. Also das war sozusagen  

so eine Bezeichnung, das Webmuster, das der Hose, die Festigkeit und die Strapazierfähigkeit gibt, 

Lukas: 

Dieses Muster wurde ursprünglich im französischen Nîmes erfunden. Es ist eine Stadt in Frankreich, Nîmes heißt die. Auf Französisch heißt von Nîmes de Nîmes und aus Denim wurde  

dann das amerikanisierte Denim. Das heißt, so wurde die Denim Jeans zur Denim Jeans. 

Lukas: 

Daher kommt diese Bezeichnung. 

Ralph: 

Ja cool, schöne Fun Facts, aber ich finde es auch interessant, wie die Amerikaner das mit der Sprache handhaben aus anderen Ländern,  

weil die machen es einfach so, die schreiben komplett um und sprechen es anders aus. 

Ralph: 

Wenn ich überleg, was wir jetzt in Deutschland mit der Sprache machen oder auch gemacht haben. Wenn wir jetzt Sachen aus Frankreich hatten, wie zum Beispiel Bureau oder so,  

da haben wir es ja genauso ausgesprochen, aber anders geschrieben.  

Lukas: 

Ja, so gehen halt Menschen oder generell Kulturen, ganz unterschiedlich mit Wörtern um oder mit  

Lehnwörtern, die halt aus einer anderen 

Lukas: 

Sprache kommen. Ganz klar. Ein wichtiger Fakt. Es heißt ja blue Denim Jeans. Und jetzt fragst du dich sicher, woher das Blue kommt. Und das ist ein sogenanntes Indigo Blau.  

Und das erklärt uns auch noch mal Tanja Roppelt. 

Tanja Roppelt: 

Zur Zeit von Levi Strauss, was es ein strapazierfähiger Baumwollstoff, der aus einem weißen und einen blauen Faden verwoben worden ist 

Tanja Roppelt: 

und der auch beim ersten Waschen erst noch mal kräftig eingegangen ist. Das heißt, die Cowboys haben ihre Hosen immer zwei Größen größer gekauft und sich in die Tröge ihrer  

Pferde gesetzt, um sie auf die richtige Größe zu schrumpfen. 

Tanja Roppelt: 

Die Kids haben sich später dann mit in die Badewanne gelegt. Mittlerweile kommen die Jeans alle vorgewaschen auf den Markt und man kann sie in der Größe kaufen, die man auch  

wirklich hat. Der Denim ist mit Indigo gefärbt worden. 

Tanja Roppelt: 

Der eine Faden, der Blaue. Und Indigo hat die Eigenschaft, dass er sich außen anlegt und diese Faser nicht komplett durchdringt.  

Ralph: 

Okay, Indigo durchdringt nicht die Fasern,  

sondern legt sich außenrum an, was hat das denn dann zur Folge? Das verstehe ich nicht ganz. 

Lukas: 

Das hat zur Folge, dass wenn du die Jeans trägst, dann scheuert sich dieses Blau mit der Zeit ab und damit wird jede Hose zu einem Unikat. Und deswegen sind die verschiedenen  

Waschungen der Jeans auch so entscheidend, wie die Jeans dann am Ende ausschaut. 

Lukas: 

Wenn ich sie zum Beispiel stoned wasche, also mit Steinen drinnen, dann sorgen die Steine dafür, dass diese Indigofasern sich halt anders ablösen oder anders einfach  

mit dem anderen Faden verbinden. Und dadurch entstehen diese unterschiedlichen Färbungen bei Jeanshosen. 

Ralph: 

Also eigentlich sind die Färbungen ja Auswaschung.  

Lukas: 

Richtig. Genau, ja. Natürlich, was auch Tanja Roppelt schon gesagt hat, die jetzigen Jeans werden schon vorher gewaschen,  

weil jetzt kaufst du dir keine Jeans mehr, zwei Größen größer und setzt dich dann in die Badewanne rein. 

Lukas: 

Wobei ich das Bild von so einem Cowboy, der im Schweinetrog drin sitzt, Pferdetrog drin sitzt, um sich seine Jeans eingehen zu lassen, schon irgendwie witzig find ich.  

Ralph: 

Musste da jetzt auch einen Otto Film denken, da macht das nämlich Otto auch. 

Ralph: 

Der hat eine zu große Jeans. Dann legt er sich in die Badewanne und dann, ich glaube der schläft dann aber ein in der Badewanne und dann wird die viel zu eng. 

Lukas:  

Dann hat er sich keine Vorgewaschene gekauft. Jedenfalls ist es dann so, dass die Jeanshose, also der Erfolg, kam dann wirklich schnell. 

Lukas: 

Die ersten Hosen sind tatsächlich noch zu Hause in San Francisco gemacht worden. Da gab es dann verschiedene Stoff, Schneiderinnen und Näherinnen und halt diese Vernietungen.  

Und dann kam aber recht schnell eine erste Fabrik. Das Patent, das er 1873 angemeldet hat, was als die Geburtsstunde der Jeans gilt, ist in den 1990er Jahren ausgelaufen. 

Lukas: 

Und dann durfte jeder Jeanshosen produzieren, was dann auch wirklich jeder gemacht hat. Dann kamen die ganzen anderen Marken Modelle auf den Markt, damit quasi die  

Jeanshosen von Levis, wie es denn damals schon hieß, sich von anderen unterscheidet und damit quasi die Leute wissen, dass sie die ursprüngliche Jeanshose kaufen,  

ist dieser Lederaufnäher hinten drauf gemacht worden, der heute noch gleich ist. 

Lukas: 

Der ist seit 1890 der Gleiche und der zeigt eine Jeanshose, wo zwei Pferde versuchen die Jeanshose auseinander zu reißen. Und die schaffen es nicht.  

Falls du eine Levis Jeans hast, guck mal drauf, da ist er hinten drauf. 

Lukas: 

Der Grund ist ganz einfach, man hat versucht eine visuelle Botschaft auf diesen Lederaufnäher drauf zu machen. Viele Menschen konnten zu dem Zeitpunkt noch nicht lesen oder  

konnten kein Englisch lesen. Es gab ein Sammelsurium an Sprachen und damit jeder sofort wusste das für eine Jeans ist, hat man diese Pferde drauf gemacht. 

Lukas: 

Die versuchen vergeblich eine Jeans auseinanderzureißen. Jetzt weiß ich nicht, inwieweit du in der Modellreihe bewandert bist, aber sagt dir das Modell 501 was?  

Ralph: 

Nein, keine Ahnung. 

Lukas:  

Also das Modell 501 ist sozusagen DIE Jeanshose, also vom Schnittmuster und von allen. Bis heute noch. 

Lukas: 

Und die gibt es auch heute noch eins zu eins zu kaufen. Und die 501. Das kommt von der Katalognummer im Warenspektrum des Handels. Und warum das 501 ist und nicht 104  

oder keine Ahnung was, das weiß kein Mensch mehr. 

Lukas: 

Aber das berühmteste Schnittmodell ist 501 und heißt heute noch so und war einfach die Nummer 501 in diesem Katalog. 

Ralph: 

Also dieser Katalog da hatte dann ganz verschiedene Waren drin.  

Jetzt nicht nur Jeans und dann war einfach an der Position 501 die Jeans? 

Lukas: 

Genau, aber das hätte gar nicht notwendigerweise 501 sein müssen. Es hat auch eine andere Nummer sein können. Warum das genau 501 ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.  

Das ist so der der Hintergrund.  

Ralph: 

Ich habe nur eine kurze Rückfrage. 

Lukas: 

Bitte. 

Ralph: 

Und zwar wenn ich an Jeans denke, dann denke ich tatsächlich ja auch an Cowboys. Das ist ja dann auch oft in der Werbung so rübergebracht worden. Aber ich denke  

zum Beispiel auch an dieses ikonische Plattencover von Bruce Springsteen, wo man diese Jeans sieht. 

Ralph: 

Und das wurde ja immer so als die Arbeiterhose verkauft. Also wer und zu welchen Situationen wurde denn die Hose getragen?  

Lukas: 

Da müssen wir noch mal weiter in die Geschichte zurück.  

Tatsächlich noch mal zu der Geburtsstunde der Jeans. 

Lukas: 

Denn da ist es ja so, dass diese Jeanshose die Arbeiterhose im Goldrausch-Zeitalter ist. Also Goldgräber haben die Jeans, Holzfäller haben die Jeans, Bauern haben die Jeans.  

Jeder der harte körperliche Arbeit verrichtet und auf eine Hose angewiesen ist, die lange durchhält. 

Lukas: 

Und das war im Prinzip nach wie vor so bis zur Weltwirtschaftskrise 1929. Bis 1929 hat man die Jeans tatsächlich auch nur an der Westküste Amerikas getragen,  

Das ist nicht in die Ostküste rüber gekommen, sondern es war wirklich lokal auf diese Goldgräber-Staaten fixiert. 

Lukas: 

Und dann passiert aber in der Weltwirtschaftskrise was, was mit den Urlaubsvorstellungen reicher Amerikaner zu tun hat. Und das erklärt uns auch Tanja Roppelt nochmal. 

Tanja Roppelt: 

Und dann in der Weltwirtschaftskrise konnten sich die reichen Ostküste der Amerikaner ihre bis dahin gewohnten Europareise nicht mehr leisten. 

Tanja Roppelt: 

Man hat nach neuen Zielen gesucht und hat mehr oder weniger Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Man ist in den Westen gefahren, auf sogenannte Dude-Ranch ist das Vieh. Ranch ist für  

Urlauber, wo man so romantisierte Ranch-Erlebnisse inszeniert hat mit Reiten-Lernen und Würstelgrillen am Lagerfeuer, mit einem echten Cowboy durch die Prärie und so weiter. 

Tanja Roppelt: 

Und die Touristen haben dann als Souvenir zusammen mit dem Cowboyhut auch die Jeans an die Ostküste gebracht.  

Lukas: 

Also du siehst aufgrund dieser Tatsache dieses  

romantisierten Cowboys kommt es an die Ostküste. Wirklich Mode wurde die Jeans spätestens 1935, denn da ist sie zum Ersten Mal auf dem Cover der Vogue erschienen. 

Ralph: 

Das ist dieses Modemagazin, das es bis heute gibt.  

Lukas: 

Genau was ja, quasi wenn was auf der Vogue ist, das ist ja heute noch so, dann kann man davon ausgehen, dass es sich  

durchgesetzt hat.  

Ralph: 

Und von da an hat sich das dann international verbreitet oder wann kam das? 

Lukas: 

Das hat dann noch ein bisschen gedauert. Das hat hauptsächlich mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun und den amerikanischen Soldaten, die nach dem  

Zweiten Weltkrieg vor allem dann viele amerikanische Einflüsse nach Europa bringen, wie zum Beispiel die Jeanshose, weil einfach dieses amerikanische Rebellen – weißte- Rock n Roll. 

Lukas: 

Das kam dann einfach da rüber. Und übrigens: Was die Amerikaner auch nach Europa gebracht haben, was sich auch erst seitdem wirklich durchgesetzt hat, ist das T-Shirt.  

Das kam auch von der US-Army.  

Ralph: 

Was haben die Leute denn vorher getragen? Nur Hemden? 

Lukas: 

Offensichtlich ja. Das T-Shirt so in der Form ist ein Produkt der US amerikanischen Armee. Und dann hat es halt eben auch dieses Rebellen Image bekommen.  

Darauf hast du mich ja schon angesprochen mit Bruce Springsteen, mit diesem legendären Plattencover. 

Lukas: 

Das war aber schon vorher der Fall, als James Dean mit Jeansjacke und Jeanshose oder auch Marlon Brando. Die haben ja demonstrativ Jeanshosen getragen, um gegen dieses  

verstaubte, prüde Amerika quasi sich als Rebellen zu gerieren.  

Ralph: 

Und dieses Rebellische, das hat sich ja dann später auch auf die Frauen schätze ich mal übertragen,  

weil ich denke, am Anfang haben 

Ralph: 

dann eher Männer das getragen und dann eben irgendwann Frauen gesagt, wir tragen das. Und dann kam es vielleicht am Anfang noch rebellisch rüber und heutzutage  

ist es ja ganz normal.  

Lukas: 

Absolut. Im Prinzip kann man das genauso sagen. 

Lukas: 

Also ich komme auch später noch mal drauf zu sprechen, was es alles für verschiedene Produkte gibt, die man jetzt im Levi-Strauss Museum angucken kann. Das sind total  

interessante Sachen dabei. Also der Jeansstoff an und für sich kann man wirklich sagen geht mit der Zeit. 

Lukas: 

Der entwickelt sich mit der Zeit weiter. Aber dazu später mehr. Weil wir wollen noch mal kurz zurück zu Levi-Strauss, der hat das Ganze natürlich nicht mehr mitbekommen.  

Und wie Levi gestorben ist, das erklärt uns Tanja Roppelt noch mal. 

Ranja Roppelt: 

Den ganz großen Erfolg seines Produkts hat er nimmer erlebt. 

Tanja Roppelt: 

Er ist 1902 gestorben im Alter von 73 Jahren, war nie verheiratet, hatte keine Kinder, hat das Unternehmen seinen vier Neffen vererbt. Das waren die Söhne seiner  

älteren Schwester Fanny. Und bis heute sind Nachkommen von Levi-Strauss in der Firma tätig. Und 1906 kam dann das große Erdbeben von San Francisco, was auch das Unternehmen  

in Schutt und Asche gelegt hat. 

Tanja Roppelt: 

Sowohl die Wohnhäuser der Familie als auch Warenhäuser und Verwaltung. Und das ist auch der Grund, warum er über den Levi-Strauss so wenig wissen, weil im Erdbeben  

eben alle Originaldokumente verbrannt sind. Es gibt noch eine Handvoll Bilder und das wars eigentlich. 

Ralph: 

Ja, das ist ja unglaublich schade, dass dann in diesem Erdbeben diese ganzen Dokumente verloren gegangen sind. Da hätte man ja was weiß ich was alles rekonstruieren können. 

Lukas:  

Absolut. Das ist unglaublich schade. Vielleicht hat auch dieses Erdbeben damit zu tun, dass diese Verbindung zwischen Levi-Strauss und Buttenheim solange gar nicht klar war. 

Lukas: 

Weil bis 1983 wusste man gar nicht, dass Levi-Strauss aus Buttenheim kommt. Weil eine Dame aus Milwaukee hat sich 1983 an den Buttenheimer Bürgermeister gewandt,  

weil sie Infos über Levi-Strauss wollte. Der war damals verwundert, weil er nicht wusste, warum die sich jetzt an ihn wendet. 

Lukas: 

Und damals hat man vermutet, dass Levi aus Bad Windsheim kommt. Das ist zwar auch in Franken, aber in Unterfranken, also die nächstgrößere Stadt bei Bad Windsheim ist  

dann Würzburg und dann haben die rausgefunden, dass das Geburtshaus noch steht und dass das außerdem eines der ältesten Häuser ist, die in ganz Buttenheim noch stehen. 

Lukas:  

Es ist aus dem 17. Jahrhundert und dann hat man da eben das Museum eingerichtet. Von der Inneneinrichtung war natürlich von Levi nichts mehr da, ganz klar.  

Deswegen sieht man da auch relativ wenig. Aber man sieht noch genau die Grundrisse, weil an denen hat sich einfach nichts verändert. 

Ralph: 

Und hat dann jemand in diesem Haus gewohnt oder wie wurde das benutzt?  

Lukas: 

Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, also bevor da das Museum war, war das, glaube ich, eine ziemliche Bauruine. Also ich glaube, da ist nicht mehr viel passiert. 

Lukas: 

Also wahrscheinlich war es sogar ein Glücksfall, dass man das rausgefunden hat, weil sonst wär das irgendein Haus gewesen, was man dann halt abgerissen hätte und dann wäre  

diese schöne Geschichte quasi gar nicht mehr zutage getreten. Der Levi war persönlich nie wieder ein Buttenheim. 

Lukas: 

Er ist in die USA ausgewandert und dann ist er nie wieder zurückgekommen. Er hatte aber Briefwechsel mit Buttenheim und Tanja Roppelt hofft, dass es vielleicht  

noch den einen oder anderen Buttenheimer oder die eine oder andere Buttenheimerin gibt, die auf dem Dachboden noch irgendwie Briefe finden aus dem Nachlass. 

Lukas: 

Weil Levi Strauss tatsächlich Zeit seines Lebens daran interessiert war, zum Beispiel auch den Juden in Buttenheim finanziell unter die Arme zu greifen.  

Er war generell auch wohl sehr philanthropisch unterwegs und hat sich auch sehr für Schulbildung eingesetzt und und auch das muss wohl spannend sein. 

Lukas: 

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihn tatsächlich nur Levi genannt. Also nicht irgendwie Mister Strauss, sondern wirklich nur Levi.  

Er muss wohl ein sehr umgänglicher Typ gewesen sein, was man so hört.  

Ralph: 

Aber interessant das eigentlich, dass das erstens so spät rausgefunden worden ist,  

überhaupt, dass er daherkommt aus Buttenheim. 

Ralph: 

Und das es ja eigentlich auch nur sehr wenig Verbindungspunkte zu Buttenheim gibt. Also klar, er ist dort aufgewachsen und ist dann ja erst mit 19 Jahren  

emigriert in die USA. Aber von der ganzen Jeans-Tätigkeit und so, 

Ralph: 

da ist ja gar nichts in Deutschland passiert. Das war ja alles was in Amerika.  

Lukas: 

Ja richtig. Und was auch total interessant ist, das Levi ursprünglich überhaupt  

gar nicht Händler werden wollte. Auch da gibt es einen schönen Ton von Tanja Roppelt. 

Tanja Roppelt: 

Was wir wissen, witzigerweise, 

Tanja Roppelt: 

Es gibt Unterlagen im Nachlass vom Vater, wo die Mutter eben begründet, warum sie nach Amerika will. Und sie sagt eben, sie hat eben keinen Ernährer  

mehr hier in Buttenheim. Und ihr Sohn Löw hat die Handelsschule nicht erlernt und auch keine Lust dazu. 

Ralph: 

Ja, was ich auch so interessant finde, es ist ja klar, dass Levis Jeans sehr bekannt ist weltweit. Aber ich dachte tatsächlich, dass dann diese Levi auch  

Schneider wäre. Also nicht ein Händler, der dann quasi einen Schneider beauftragt und dann mit der Idee kommt: Hey, machen wir mal Nieten und jetzt sind es die Jeans. 

Lukas: 

Genauer gesagt hat er nicht mal den Schneider beauftragt, sondern der Schneider hat ihn ja kontaktiert mit der Idee, was er gemacht hat. Er hat  

das Ganze wirtschaftlich gemacht, er hat das Patent angemeldet und er hat quasi dafür gesorgt, dass es eine Erfolgsgeschichte wird bis heute. 

Ralph: 

Also er ist eher so der Vermarkter gewesen.  

Lukas: 

Ja.  

Ralph: 

Du hast ja gerade vorhin noch gesagt, dass es im Museum ganz viele Dinge gibt, die zur Jeans gehören,  

also die mit dem Stoff hergestellt worden sind und die mit der Zeit gehen. 

Ralph: 

Was sind das denn so für Dinge?  

Lukas: 

Also das ist ganz unterschiedlich. Wenn du in dem Museum bist, in Buttenheim, siehst du auf verschiedenen Stockwerken,  

was für Dinge mit Jeans dann irgendwann gemacht worden sind, wie quasi dann die Jeansjacke erfunden wurde, die Jeans Hemden erfunden wurden und wie das Ganze dann auch mit der Popkultur sich weiterentwickelt hat. 

Lukas: 

Wir haben ein paar Leute schon angesprochen: James Dean, Bruce Springsteen, dann dass es Jeans für Frauen gab und so weiter und so fort. Das sieht man da wirklich sehr eindrucksvoll.  

Das kann ich jedem empfehlen. Es ist total spannend und dann sieht man auch ein paar Sachen, die die Jeans sozusagen ins 21. Jahrhundert bringen. 

Lukas: 

Es gibt da nämlich eine Jacke, die es ausgestellt, die Levis in Kooperation mit Google erstellt hat. Da haben die nämlich eine Bluetoothfähige Jeansjacke erstellt,  

die man anziehen kann. Und dann, wenn man zum Beispiel Fahrrad fährt, kann man mit Handgesten an den Ärmeln, Songs, die man über das Handy hört, weiter schalten. 

Lukas: 

Oder man kann Anrufe annehmen, indem er auf die Jeansjacke eine bestimmte Bewegung durchführt, indem er da drückt. Also es ist wohl so, dass dieses Muster,  

dieses Jeans generell das ist einfach unglaubliches Potenzial hat. Ob wir in 20 Jahren alle mit einer Bluetoothfähigen Jeansjacke in der Gegend rumlaufen,  

weiß ich nicht, aber das kann man auf jeden Fall alles angucken. 

Ralph: 

Es zeigt halt auch, dass Jeans einfach in die Kultur eingegangen ist. Das ist nicht nur eine Marke, sondern das gehört einfach zur Kultur dazu.  

Lukas: 

Absolut.  

Und deswegen hab ich ja gesagt, es ist ein Objekt, was einfach jeder von uns, egal woher er kommt, egal wie alt er ist, egal was da für einen Background ist. 

Lukas: 

Also zumindest hier in unseren mitteleuropäisch westeuropäischen Kulturkreisen, das hat jeder schon getragen. Es gibt also ich, ich wüsste jetzt keinen Menschen,  

der noch nie eine Jeans getragen hätte. Um vielleicht das Ganze abzuschließen. Noch eine kurze persönliche Erkenntnis zu mir: Ich hatte schon länger die Vermutung,  

dass ich eventuell jüdische Vorfahren habe aufgrund meines Nachnamens und Tanja Roppeltt war 

Lukas: 

dann so nett und ist dann mit mir in ihr Büro gegangen und hat gesagt, sie hätte die ganzen Matrikelnummern aus Oberfranken und Mittelfranken, wo verschiedene  

jüdische Familien bis ins 17. Jahrhundert hinein. Das wurde in so Listen eingetragen, so Matrikellisten, 

Lukas: 

die hätte sie digitalisiert da. Und dann haben wir mal geguckt und ich weiß von meinem Vater, dass meine Familie ursprünglich aus einem Dorf kommt, was  

tatsächlich ganz in der Nähe von Buttenheim ist. Es ist echt nur ein Kaff weiter. 

Lukas: 

Da gab es wirklich in dieser ganzen Umgebung zehn jüdische Familien mit dem Nachnamen Fleischmann. Also die Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer von  

dieser Familien abstammen oder dass ich zumindest Einflüsse habe und damit ja quasi auch, dass meine Vorfahren eigentlich genau dasselbe erlebt haben wie  

Levi Strauss, ist, finde ich irgendwie ein schöner persönlicher Bezug zu dem Museum. 

Ralph: 

Dann könnte es ja theoretisch auch sein, dass Vorfahren von dir auch emigriert sind, oder ? 

Lukas: 

Bestimmt. Das müsste man mal ausfindig machen.  

Ralph: 

Genau. Müsste mal nachforschen.  

Lukas: 

Absolut. Aber das sprengt den Rahmen dieser Episode jetzt. Aber da bleib ich dran, da bleibe ich dran. 

Lukas: 

Tanja Roppelt hat mir da noch ein paar Adressen gegeben, wo man dann nachgucken kann und bin gespannt, was sich daraus ergibt.  

Ralph: 

Ja, wunderbar.  

Vielen lieben Dank, dass du mir heute die Jeans vorgestellt hast und Levi Strauss. War viel dabei, was ich nicht kannte. 

Ralph: 

Tatsächlich, was mir neu war. Und was mir jetzt auch so als Funfact hängenbleibt. Tatsächlich kann ich mal bei der nächsten kleinen Party oder was weiß ich was  

beim nächsten Smalltalk von mir geben. Mit den Nieten zum Beispiel. 

Lukas: 

Ich finde am spannendsten, woher die Namen kommen, also das französische Gênes, dann Jeans und woher des Denim kommt und so, das ist auf jeden Fall ein cooler  

Fun Fact für eine Party.  

Ralph: 

Ja, auf jeden Fall.  

Lukas: 

Ja gut, dann danke dir Ralph und danke euch allen fürs Zuhören. 

Lukas: 

Wir sind natürlich an Feedback interessiert. Wir sind auch daran interessiert, dass ihr die Vorlage teilt und uns damit ein kleines bisschen  

berühmter und beliebter macht. Und wir freuen uns schon auf die nächste Folge.  

Ralph: 

Absolut. Dann bis zum nächsten Mal. 

Lukas: 

Tschüss  

Ralph: 

Ciao ciao. 

Outro: 

Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. ein Podcast von Escucha. 

über BITTE NICHT ANFASSEN!: 

Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

 Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für’s Ohr. 

Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


 
Kontakt 
Instagram: escucha_audioidentity/ 
E-Mail: info[at]escucha.de 

Podcast-Credits: 
 

Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger 
Produktion: Escucha GbR 
Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/ 
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik) 

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