Museen, Podcasting und die jungen Erwachsenen

Museen erreichen sehr junge Menschen und sehr alte Menschen. Allerdings noch nicht genügend junge Erwachsene. Wenn Sie sich mit Ihrem Museum angesprochen fühlen, dann lesen Sie weiter. Denn Podcasting kann diese Lücke schließen, aber nur wenn es gut gemacht ist. 

Das Positive am Anfang: Die Gesamtbesuchszahlen in Deutschlands Museen sind in den vergangenen zehn Jahren vor Corona stabil auf hohem Niveau geblieben (wie die aktuelle Statistik des Instituts für Museumsforschung nahelegt; einbezogen wurden rund 4.500 der insgesamt 6.834 Museen in Deutschland): zwischen rund 107 und 111 Millionen Besuche.

Wer besucht

Jedes Jahr besuchen Schulklassen Museen (In Museen mit weniger als 50.000 Besuchen machen sie rund 15 % aus; in Museen zwischen 50.000-500.000 Besuchern ganze 41 %). Jeder zweite Tourist, der eine Stadt besucht, findet den Weg ins Museum.  

Wie die Altersverteilung konkret aussieht, findet sich leider nicht in der Statistik für Deutschland. Allerdings gibt es dafür Zahlen aus Großbritannien, die zumindest eine Annäherung sind (Museums Audience Report, 2018): 

16-24 Jahre 10 %  

25-34 Jahre 16 %  

35-44 Jahre 18 % 

45-54 Jahre 15 % 

55-64 Jahre 18 % 

65 Jahre und älter 23 %  

Mitentscheidend für die prozentuale Verteilung ist die Demographie der Bevölkerung. Das Durchschnittsalter in Großbritannien betrug zum Zeitpunkt der Umfrage rund 40 Jahre. In Deutschland lag es zu dem Zeitpunkt bei 44 Jahren. Angenommen die Zahlen aus Großbritannien ließen sich auf Deutschland übertragen, dann ist mit einer prozentualen Besuchsverteilung zugunsten des höheren Alters zu rechnen. Sprich: Die Prozentanteile sind in den jüngeren Jahren geringer, im höheren Alter dafür umso höher. Mehr als die Hälfte aller Besucher:innen wären 45 Jahre und älter.  

Wer besucht nicht

Museen erreichen nur wenige junge Erwachsene im Alter von 18-34 Jahren. Um heauszufinden warum das so ist, hilft es, wenn man Erwartungen von Nicht-Besucher:innen betrachtet (Quelle: Wer sind die Jungen? 2013). Sie wünschen sich laut dieser Umfrage Unterhaltung, lebendige Präsentationen und Themen, die auf die eigene Lebenswelt ausgerichtet sind und das „besondere Erlebnis“. 

Vielleicht schreien Sie jetzt als Museumsverantwortliche laut auf und zählen verschiedenste Möglichkeiten innerhalb Ihrer Institution auf. Wenn damit jüngere Menschen zu Ihnen kommen, wunderbar. Wenn nicht, dann holt das Angebot nicht die Zielgruppe ab oder Sie machen zu wenig auf sich aufmerksam.  

Einfacher ist es, wenn Sie die Zielgruppe erreichen, wo sie sich aufhält.  

Was das mit Podcasting zu tun hat

Jeder zweite Deutsche unter 30 Jahren hört zumindest gelegentlich Podcasts (Quelle: Online Audio Monitor, 2021). Bei den 30- bis 49-Jährigen ist es jeder Dritte. Tendenz seit einigen Jahren steigend. Dabei gibt es zwei Hauptmotivationen: etwas zu lernen und unterhalten zu werden.  

Podcasts eignen sich also sehr gut dafür, wissenswerte Inhalte zu vermitteln. Denn sie werden meistens bis zu Ende gehört. Und das nebenbei – sei es im Auto, beim Sport machen oder Putzen. Podcasts sind ein niedrigschwelliges Angebot. Hörer:innen entscheiden, wann sie hören und wann nicht. Dabei ist die Abbruchrate gering. Die Bindungsrate dagegen hoch.  

Einfach machen?

Jein. Vor ein paar Jahren hätten Sie noch einfach so anfangen können. Inzwischen ist der Podcastmarkt so groß geworden, die Ansprüche der Hörer:innen sind gestiegen. Ähnlich wie bei YouTube hat sich das Medium Podcast professionalisiert. Guter Inhalt setzt sich durch, schlechter Inhalt nicht. Wenn Sie mit Ihrem Podcast erfolgreich sein möchten, dann sollten Sie zwei Faktoren beachten: Technik und Umsetzung. 

Technik

Die Hörerwartungen an Podcasts haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Zu Beginn war es egal, wenn die Audioqualität amateurhaft war – es wurde akzeptiertHeute werden viele Podcasts in optimierten Raumbedingungen eingesprochen, in hochwertige Mikrofone. Wie Sie klingen, hat Auswirkungen darauf, wie kompetent Sie wahrgenommen werden (Quelle: Good Sound, Good Research: How Audio Quality Influences Perceptions oft he Research and Researcher, 2018).

Umsetzung

Gut gemeint ist oftmals nicht gut gemacht. Dieser Spruch trifft auch auf das Podcasting zu. Es ist sinnvoll, sich vorab Gedanken darüber zu machen, wen Sie damit ansprechen wollen. Sie sprechen anders zu einem Kind als zu einem Erwachsenen und anders zu jemandem aus Ihrem Fachgebiet als zu jemandem, der sich mit Ihrer Thematik noch nicht beschäftigt hat. Ebenso erzählen Sie Geschichten zum Hören anders als Geschichten zum Lesen. Gesprochenes Wort ist nicht gleich geschriebenes Wort. Wenn Sie kein Budget haben, dann müssen Sie mit dem arbeiten, was Sie habenEs stellt sich aber die Frage, ob Sie Ihre Ressourcen dann nicht lieber woanders einsetzen möchten. Haben Sie ein Budget, dann holen Sie sich von Expert:innen aus der Audiobranche Rat, was für Ihr Budget möglich und sinnvoll ist. Das kann in der Redaktion sein, in der Gesprächsführung, Interviewtraining, Schnitt, etc. 

Doch nicht einfach machen?

Das klingt jetzt alles eher nach: nein, nicht einfach machen. Wo ist das angedeutete Ja in Jein? Das Ja liegt im Machen. Der Podcastmarkt wird größer und größer, weil die Nachfrage nach Podcasts auch größer wird. Es ist noch nicht zu spät einzusteigen. Es gibt nicht zu viele Podcasts, so wie es auch nicht zu viele Bücher gibt. Sie müssen nur Ihr Publikum abholen und dabei unterstützen wir Sie gerne. 

Melden Sie sich gerne bei uns für ein unverbindliches Erstgespräch. Hier können wir Ideen, Erwartungen und Machbarkeit überprüfen und zielführend auf Ihr erfolgreiches Projekt hinarbeiten. 

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